Offizieller Blurb:
Noch bevor Tahsim Durgun Fahrradfahren konnte, musste er für seine Mutter die Stromrechnung entziffern, begleitete sie als Dolmetscher zu Arztbesuchen und verlas Aldi-Kataloge am Küchentisch. Seine spätere Karriere als Deutschlehrer war da bereits vorgezeichnet. Wie praktisch, dass er sich seitdem an der Uni zwischen dem BWL-Justus und der Iced-Coffee-Claudia gut getarnt vor den Abschiebefantasien der AfD verstecken kann. Ein Privileg, das seiner kurdischen Mutter, an deren Küchentisch Tahsim jeden Abend zurückkehrt, verwehrt bleibt.
So wie Tahsim geht es vielen jungen Menschen mit Migrationshintergrund, die früh Verantwortung für ihre Eltern übernehmen und gleichzeitig ihren Platz finden müssen in einem oft feindseligen Land. Schreiben sie die besten Noten, bekommen sie trotzdem nur eine Hauptschulempfehlung. Geht die Abifahrt nach Rom, dürfen sie nicht teilnehmen, weil sie keinen deutschen Pass besitzen.
Ich habe das Tahsims Buch gestern Abend beendet, weinend und schluchzend. Das Buch ist so persönlich und stellt sehr gut eine Lebensrealität dar, die sehr viele „Migrakinder“ erleben.
Der Gang zur Ausländerbehörde, die ständige Angst abgeschoben zu werden und auch die Last, die auf uns Kinder fällt, wenn die Eltern kein gutes Deutsch können, hat Tahsim überaus clever und eindringlich beschrieben. Seine Angst, seine Wut, aber auch die Angst und Wut seiner Familie sind so gut aufs Papier gebracht. Es ist nicht nur eine Geschichte von Leid, sondern auch von Widerstandsfähigkeit, Hoffnung und dem unaufhörlichen Streben nach einem besseren Leben.
Tahsims Geschichte, somit die Geschichte vieler Familien in Deutschland, ist erschreckend, aber nicht überraschend zugleich. Ich habe einige Passagen mehrmals gelesen, weil es mich so wütend oder so traurig gemacht hat. In vielen Momenten konnte ich auch zu meiner Geschichte eine Verbindung ziehen. Die Erzählungen, die von Verlust, Traumata und dem Streben nach Identität handeln, sind universell und spiegeln die Erfahrungen wider, die viele in unterschiedlichen Kontexten gemacht haben. Aber der kurdisch-türkische Aspekt bringt noch so viele andere Dimensionen in die Erzählung ein, die echt lehrreich und bereichernd sind.
Ich kann gar nicht in Wort fassen wie sehr ich dieses Buch liebe. Es ist kraftvoll, voller Wärme, Schmerz und Trost zugleich. Jedes Kapitel trägt eine gewisse Schwere, die fordert, aktiv zu reflektieren.
Ich wünschte die deutsche Gesellschaft würde aus solchen Büchern lernen. Seine Mutter hat mir Hoffnung gegeben. Denn ich möchte, dass „unsere Blumen blühen“. Ihre Erzählungen, ihre Erfahrungen haben mich tief berührt. Ich möchte Tahsims Mama einfach umarmen und ihr sagen, dass sie tolle Kinder hat.
„[…] und ich werde niemals damit aufhören, es für uns beide möglichst schön zu gestalten, sodass auch du träumen kannst.“
„Mama, bitte lern Deutsch“ ist jetzt schon ein persönliches Highlight in 2025. Es ist ein wichtiges Buch für unsere Gesellschaft. Danke, Tahsim, für deine Geschichte.










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